Die nächsten Veranstaltungen

Die nächsten musikalischen Veranstaltungen
in den Kirchen von Berlin-Rahnsdorf:

Sonntag, 8. November 2026, 18.00 Uhr
Taborkirche Berlin-Wilhelmshagen

Requiem − Media vita in morte sumus

Nicolas Gombert
(* um 1495 † um 1560)
Media vita in morte sumus

Orlando di Lasso (1532 – 1594)
Psalmus Poenitentialis II
Beati quorum remissæ sunt
iniquitates

Antonio Lotti (1667 – 1740)
Missa pro defunctis à 4 voci
– Introitus (Requiem aeternam)
– Kyrie
– Dies irae
– Offertorium
– Sanctus
– Benedictus
– Agnus Dei 

Berliner Vokalkreis
Leitung: Johannes Raudszus

Requiem –
Media vita in morte sumus

Drei Komponisten, drei Epochen, drei unterschiedliche musikalische Sprachen: Nicolas Gombert, Orlando di Lasso und Antonio Lotti. Ihr gemeinsamer Bezugspunkt sind Texte und Formen der geistlichen Musik, die sich mit Vergänglichkeit, Buße, Vergebung und dem Tod auseinandersetzen. Über einen Zeitraum von rund zweihundert Jahren zeigt das Programm, wie unterschiedlich diese Themen musikalisch gestaltet werden können.

Den Auftakt bildet Nicolas Gomberts Media vita in morte sumus. Der aus dem mittelalterlichen Offizium stammende Text steht exemplarisch für die enge Verbindung von Liturgie und Musik in der Renaissance. Gombert entwickelt daraus einen dicht gearbeiteten polyphonen Satz. Die Stimmen sind eng miteinander verwoben und greifen die Textzeilen in immer neuen Kombinationen auf. Dabei entsteht eine Musik, deren Wirkung weniger durch starke Kontraste als durch die kontinuierliche Bewegung und Verdichtung des Klanges geprägt ist.

Orlando di Lassos Beati quorum remissæ sunt iniquitates stammt aus seinem Zyklus der sieben Bußpsalmen. Der Psalm 32 beschäftigt sich mit Schuld, deren Anerkennung und ihrer Vergebung. Lasso reagiert besonders differenziert auf die Struktur und den Ausdruck des Textes. Zwischen den Stimmen entstehen wechselnde Dialoge und Verdichtungen, während einzelne Textgedanken musikalisch hervorgehoben werden. So wird die polyphone Schreibweise unmittelbar zum Mittel der Textausdeutung.

Mit Antonio Lottis Missa pro defunctis à 4 voci führt das Programm schließlich in eine deutlich andere Klangwelt. Zwischen Lottis Werk und den Kompositionen Gomberts und Lassos liegen rund zweihundert Jahre musikalischer Entwicklung. An die Stelle der ausschließlich polyphonen Stimmen tritt nun eine konsequent vierstimmige Anlage des Satzes. Die einzelnen Stimmen erhalten dadurch eine andere klangliche Funktion und größere harmonische Zusammenhänge treten in den Vordergrund. Zugleich bleibt die Konzentration auf den liturgischen Text erhalten.

Die Programmzusammenstellung macht damit nicht nur einen zeitlichen Wandel hörbar. Sie zeigt auch unterschiedliche Möglichkeiten, Sprache musikalisch zu gestalten: vom engmaschigen Kontrapunkt Gomberts über Lassos ausgesprochen textbezogene Polyphonie bis zur klareren, harmonisch geprägten Tonsprache Lottis.

Media vita in morte sumus bildet dabei den Ausgangspunkt und zugleich eine Art Überschrift für das gesamte Programm. Die drei Werke nähern sich dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven und machen dabei hörbar, wie sich musikalische Ausdrucksformen verändern können, während die zugrunde liegenden Texte über Jahrhunderte hinweg ihre Bedeutung behalten.